Jahr: 2013

Besuch von Gabi Weber

Als Gabi Weber, Mitglied des Bundestags, auf ihrer Wahlkampftour die Anlage der ARGE Nister in Stein-Wingert besuchte, zeigte sie sich interessiert an den Einzelheiten der Glochidiengewinnung. Sie stellte einige Fragen und sah selbst durchs Binokular.
ARGE_3365
Manfred Fetthauer unterfütterte bei seinem Vortrag die Muschelaktion mit Informationen rund um das Ökosystem der Nister. Von den Auswirkungen, die der Kormoran offensichtlich auf dessen Gleichgewicht hat, war die engagierte Westerwälder Politikerin erstaunt und erschreckt: „Für mich war der Kormoran bisher einfach ein Vogel. Dass er so große Wirkung hat, war mir nicht klar.“, so Weber.
ARGE_3362

ARGE_2698

Kalmuspflanzung in Versuchsphase

Ständig auf der Suche nach Maßnahmen, um die Wasserqualität der Nister zu verbessern, pflanzt Manfred Fetthauer, erster Vorsitzender der ARGE, seit ein, zwei Jahren regelmäßig Kalmus in den Uferbereich der Nister. Damit hofft er, die schilfartige Pflanze in die fließende Nister zurückzuholen, die seiner Ansicht nach neben anderem einen natürlichen Kläreffekt hat.

ARGE_2695 ARGE_2696

Um erfolgreich zu pflanzen, wird der Kiesuntergrund im sonnigen Uferbereich bis in etwa 15 Zentimeter Tiefe an einer Stelle angehäuft. Die Wurzel wird in die Vertiefung gesetzt und sorgfältig mit Kies bedeckt, sodass die Pflanze Halt hat. Schließlich werden die Blätter in etwa 25 Zentimeter Höhe abgeknipst, um den Wasserwiderstand gering zu halten und der Pflanze Zeit zu geben, sich mit ihren Wurzeln anzusiedeln.

 

ARGE_2704 ARGE_2701

Die verwendeten Pflanzen stammen aus einem Altarm der Nister. Denn Kalmus ist kein Neubesiedler: Noch vor wenigen Jahrzehnten säumten große Kalmusflächen die Ränder der großen und kleinen Nister. Vermutlich hauptsächlich durch Umwelteinflüsse und den Bisam, dem die Schilfart besonders gut schmeckt, finden sich heute nur noch einzelne Pflanzen direkt am Fließgewässer.

ARGE_2700 ARGE_2705

In den freigelegten Altarmen und sonnigen langsam fließenden Gewässerabschnitte dagegen bieten Kalmusflächen kleinen Fischen und vielen anderen Wasserlebewesen sichere Rückzugsorte. Zudem lockert das Rhizom (Wurzelstock) der Pflanze den Kiesuntergrund bis in 15 Zentimeter Tiefe und hat vermutlich einen starken Filtereffekt. Das alles spricht nach Fetthauers Ansicht dafür, dass eine Neupflanzung des Kalmus wichtig und sinnvoll ist. Deshalb würde der engagierte Gewässerschützer gerne ein Projekt ins Leben rufen, bei dem Kalmus in großer Zahl entlang der Nister gepflanzt wird. Damit lassen sich seiner Ansicht nach recht schnell messbare Verbesserungen für die Nister erzielen. Und die sind notwendig, denn der kleine Fluss im Westerwald steht kurz vor dem Kollaps.

ARGE_2710 ARGE_2711

Natürlich kennt Manfred Fetthauer auch die Stimmen, die gegen das Projekt sprechen. So stammt Kalmus aus Asien und wurde im 16. Jahrhundert nach Mitteleuropa gebracht. Da alle Pflanzen, die nach 1492 in Europa eingeführt wurden, als Neophyten gelten, ist auch der Kalmus ein pflanzlicher Neubürger. Zudem vermehrt er sich über kleinste Rhizomschnipsel, was die Grundlage für eine Plage wie die von Drüsigem Springkraut und Herkulesstaude sein könnte – wenn Kalmus hier keine Fressfeinde wie den Bisam hätte, nicht so empfindlich auf Umwelteinflüsse reagieren würde und nicht für den Menschen von so großem Nutzen wäre.

Öl aus Kalmuswurzel wird unter anderem in der Herstellung von Magenbitter und Cola verwendet. Kandiert kann Kalmuswurzel, im September und Oktober geerntet, als “Deutscher Ingwer” ebenso wie die asiatische Variante verzehrt werden. In der asiatischen Medizin ist Kalmus eine traditionelle Heilpflanze.

Mit seinen ersten Versuchen erhofft sich Manfred Fetthauer Erkenntnisse, ob seine Überlegungen und Schlussfolgerungen richtig sein könnten. Zeigt sich hier ein Erfolg, wird sich Fetthauer mit Unterstützung einiger Wissenschaftler dafür einsetzen, die Pflanzungen in einem Förderprojekt auszuweiten.

ARGE_2040

Lachseinsatz vom ZDF gefilmt

Besondere Gäste begleiteten die ARGE Nister beim jüngsten Lachsbesatz: Während 50.000 etwa fünf Zentimeter lange Einsömmeringe ihre neue Heimat in der Nister fanden, filmte Kameramann Martin Wampl die Aktion fürs ZDF. Den Beitrag von Redakteur Peter Böhmer (unten im weißen T-Shirt) strahlte das ZDF am 01.08.2013 in „heute in Deutschland“ aus.
ARGE_1985ARGE_2058

Jährlich werden im Rahmen des Schutzprogrammes Lachs 2020 eine bestimmte, von der Regierung finanzierte Anzahl von Junglachsen in die Nister eingesetzt. Der ursprünglich heimische Fisch wandert nach einem Jahr in den Atlantik ab, um ein oder zwei Jahre später flussaufwärts zu wandern und dort abzulaichen, wo er aufgewachsen ist.
ARGE_1969
Es gibt immer wieder Heimkehrer, doch dank der an vielen Stellen noch schlecht durchgängigen Flüsse und holländischer Fischer, die die Lachse tonnenweise abfangen, wenn sie aus dem Meer zurückkehren, sind es längst nicht so viele, wie es sein könnten.

Die so genannten Nullplus kommen von einer Zuchtanlage an der Halsper Talsperre im Sauerland. In großen Behältern transportierte Dieter Firzlaff vom Verein Der Atlantische Lachs e.V., der auch im Fernsehbeitrag zu sehen ist,  die kleinen Lachse aus dem Sauerland nach Stein-Wingert und von dort aus an die jeweiligen Rauschen zwischen Alhausen und Marienstatt.
ARGE_1953ARGE_1952

ARGE_1963ARGE_2006
Dort wurden die Jungfische aus Eimern sanft in die Strömung der Nister entlassen. Einen Teil der Jungfische übernahm Björn Eisel aus Seck, um ihn in der kleinen Nister zu verteilen.
ARGE_1991ARGE_1988
Nach dem Ende der Dreharbeiten ging die weitere Aktion ganz schnell. Routiniert und eingespielt arbeiteten die Mitarbeiter und jungen Helfer Hand in Hand, bevor sie schließlich am Zeltplatz in Heuzert eintrafen. Hier erwartete sie eine Überraschung: Samuel Leonhard aus Müschenbach, Küchenleiter des Brauhauses in Marienstatt, hatte für alle eine leckere Hackfleischsuppe vorbereitet.
ARGE_2139

Zwei Tage Kontrollbefischung

ARGE_9629 ARGE_9634
Viele Aktive halfen an zwei Tagen kräftig mit, um gemeinsam mit Dr. Jörg Schneider und Dr. Dirk Hübner vom BFS, dem ARGE-Nister-Vorsitzenden Manfred Fetthauer, Florian Krau sowie Dr. Carola Winkelmann und Daniela Mewes von der Uni Koblenz-Landau an zwei Stellen auf insgesamt gut einem Kilometer der Nister den Fischbestand zu prüfen: Biologen und weitere Doktoranden, Angler, Kinder und allerhand andere Freiwillige.
ARGE_9656 ARGE_9647
Mit Elektroangeln in der Hand und einem schweren Akku-Rucksack auf dem Rücken machten sich die Fischenden auf den Weg durchs Wasser. Ihnen folgten die Beifischer mit großen Fangnetzen, die Leute mit den Fangbehältern und Messinstrumenten sowie die Protokollanden.
ARGE_9659 ARGE_9718ARGE_9660 ARGE_9662
Am ersten Tag wurden bis in den Abend hinein die Kleinfische unter 15 Zentimetern gezählt und protokolliert. Am darauffolgenden Tag widmeten sich die Biologen den größeren Fischen wie Nasen, Haseln und Forellen. Mit Gleichstrom wurden die Tiere kurz betäubt und in Netzen gefangen.
ARGE_9654 ARGE_9673
Dank Messstab im Bottich und Messbrett wurde die genaue Größe festgestellt. Auch die unterschiedlichen Arten wurden bestimmt und aufgenommen.
ARGE_9746ARGE_9747
Dr. Jörg Schneider markierte die gefangenen Fische anschließend mit einem für die Tiere harmlosen und ungiftigen blauen Kontrollpunkt.
ARGE_9769ARGE_9725
Um möglichst viele Fische kennzeichnen zu können, konzentrierten sich die Biologen unter anderem auf die schwer zugänglichen Uferbereiche.

ARGE_9759ARGE_9705
Zwischendrin gab es eine Pause mit Westerwälder Fleischwurst, denn Essen hält auch bei Biologen und Gewässerschützern Leib und Seele zusammen.
ARGE_9734
Jeder Streckenabschnitt wurde zwei Mal befischt, um dank der Zahl der Wiederfänge im Verhältnis zu unmarkierten Fischen auf die Gesamtpopulation schließen zu können. Der Rückweg in Watstiefeln vom End- zum erneuten Ausgangspunkt führte durch blühende Wiesen.
ARGE_9730ARGE_9727
Die Zählung der großen Fische war längst nicht so aufwändig wie die der kleinen am Tag zuvor.
ARGE_9755
Deshalb konnten die Projektbeteiligten am späten Nachmittag ihre Sachen packen – fertig, aber glücklich nach der erfolgreichen Arbeit.
ARGE_9741ARGE_9743

ARGE_9298

Sedimentproben entnommen

Dr. Dirk Hübner vom Büro für fisch- und gewässerökologische Studien (BFS) nahm kürzlich gemeinsam mit Dr. Jörg Schneider, ebenfalls BFS, und Manfred Fetthauer Sedimentproben aus dem Bachbett der Nister. In Wasserproben aus verschiedenen Bodentiefen wurden unter anderem Sauerstoffgehalt und pH-Wert gemessen.
ARGE_9285 ARGE_9298
Dafür hatte Dirk Hübner an einigen Stellen in der Nister Schläuche in einer Tiefe von 10, 20 und 30 Zentimetern vergraben.
ARGE_9253 ARGE_9313
Schon die ersten Messwerte wie Sauerstoffgehalt und pH-Wert zeigten, dass der Algenbewuchs an manchen Stellen der Nister inzwischen tatsächlich bedrohliche Ausmaße annimmt.
Daneben wurden Sedimentproben sichergestellt, die in der Universität Koblenz-Landau gewässerbiologisch untersucht werden. Dafür wurden unter anderem auch einige Wochen zuvor Drahtgitterkörbe mit sauberem Kies in den Grund der Nister eingegraben. und nun, nach einem bestimmten Zeitabstand, wieder entnommen. Der Algenbewuchs und die Ablagerungen, die in der begenzten Zeit im Kiesbett gelandet sind, geben im Idealfall Aufschluss über den Zustand des Flusses. Zwei Stellen an der Nister besuchten die Biologen dabei.
ARGE_9251 ARGE_9273 ARGE_9269
Um Ergebnisse zum Algenwachstum während des Sommers zu erhalten, wurden neue Drahtgitterkörbe mit frischem Kies eingesetzt.