Autor: Manfred Fetthauer

Das leiden der Fische, oder das lautlose sterben unter Wasser ?

Seit kurzem fordert die EU Kommison ihre Mitgliedstaaten auf Maßnahmen zu ergreifen, die Kormoranbestände mit allen Mitteln drastisch auf ein derartiges Maß zu reduzieren, dass einerseits die Bestandserhaltung der Kormorane gegeben ist, aber der Fischschutz wieder mehr in den Focus rückt ,zurecht wenn man die folgenden Bilder aus der Nister sieht.    Die Frage darf und muss berechtigt sein , wieviel Schmerzen verträgt ein Fisch, und wie lange braucht es bis zum Sterben.Was sich  sehr gut beobachten lässt ist,  das die verletzten Fische ihren angestammten Schwarm verlassen und sich abgesondert in weniger durchströmte Bereiche des Baches begeben, wahrscheinlich fehlt ihnen dann die Kraft. Angesichts der letzten Probebefischungen für unser BLE -Projekt entstanden diese Bilder und die Grafik .

Verletzte Nasen wie lange werden sie zum Sterben brauchen ?

Verendete Nase die im Frühjahr 2017 besendert wurde

Eindeutiger kann ein Beweiss einer Kormoranverletzung nicht sein

Statistik aus dem Frühjahr 2018 die zeigt in welchem Maße der Kormoran zuschlägt.

„INTASAQUA 2019“

Am 9. und am 16.2.2018  hatte die Arge Nister in Helmeroth und in Astert zu Informtionsveranstaltungen zu dem neuen Projekt „Intasaqua“ eingeladen. Was Dr. Carola Winkelmann von der Universität Koblenz /Landau,  Linda Bödger und Roger Best von den jeweiligen Unteren Wasserbehörden, Kreisverwaltung Altenkirchen und Westerwaldkreis sowie den Vorsitzenden der Arge Nister überraschte, dass sich doch sehr viele Gemeindebürger auch mit ihrem Gewässer der Nister indentifizieren und anwesend waren.

Was aber bedeudet nun das Wort Intasaqua? Für fast alle großen Naturschutzverbände endet der Naturschutz an der Gewässeröberfläche. Der Gedanke, dass gerade die Fliessgewässer die Lebensadern im Naturhaushalt sind, ist zum größten Teil verloren gegangen – auch das Wissen um die Arten, die darin leben und leben müssen, weil durch sie die Selbstreingungskraft des Gewässers erhalten bleibt. Genau hier setzt das neue Projekt an. Integrativer Artenschutz, der auf den Gewässergrund und teilweise noch tiefer ins Kiesbett geht. Die Nister, die teilweise noch eine hohe Artenvielfalt an Verantwortungsarten des Bundesamtes für Naturschutzes hat, bietet sich auch hier für die Forschung an; was fehlt ist die Artenmenge.

Durch die Bachbegradigungen der 60 Jahre verlorengegangene Lebensräume wieder zu aktivieren, auch die Erkenntnisse aus dem laufenden BLE-Forschungs-Projekt mit einfließen zu lassen, sollen die Ziele sein. Man hat in Deutschland sehr viel Geld in die Renaturierung der Gewässer gesteckt, aber der Erfolg hält sich in Grenzen. Offene Fragen, wie geht man das Thema „Kormoran “ an, den es früher nie an den Mittelgebirgsbächen gegeben hat, der aber Fische wie  Nase und Barb , die Schlüsselfunktionen im Ökosystem Fließgewässer darstellen, fast komplett ausgerottet hat, müssen beanwortet werden. Wie schaffen wir es, die Sedimenteinträge zu reduzieren? Auch an der Phosphatlimitierung muss gearbeitet werden. Das vom Bundesamt für Naturschutz, dem Land Rheinland-Pfalz, den Landkreisen Altenkirchen und Westerwald sowie den anliegenden Verbandsgemeinden geförderte Projekt „Intasaqua“ soll und wird ein Vorzeigemodell sein .  Im Nistervertrag   haben sich das Land,  die Kommunen sowie  der Naturschutz freiwillig

unter unter anderem auch dazu verpflichtet, ihren Teil zur Rettung der Fluss- und Bachmuschel beizutragen. In den kommenden Jahren wird es darauf ankommen, ob und wann der Entwurf  „FFH Gebiet Nistertal /Kroppacher Schweiz “ umgesetzt wird, auch eine Grundlage fürs Gelingen.

Viele offene Fragen – was aber unglaublich Hoffnung macht, dass die Anlieger vor Ort mitgehen und ihre Erfahrungen von früher einbringen. Aus diesem Grund werden in den kommenden Wochen Begehungen vor Ort stattfinden und es wird weitere Infoveranstaltungen in den Nisteranliegergemeinden geben.

Zweites Gewässerseminar erfolgreich, drittes geplant

Auch das zweiten Seminar „Gewässerökologie für Naturschutzpraktiker“, dass vom Zentrum für Fernstudien und Universitäre Weiterbildung der Uni Koblenz Landau, der Deutschen Gesellschaft für Limnologie und der Arge Nister angeboten wurde, war mit 29 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wasserwirtschaft und Naturschutz wieder ausgebucht. Unter der Leitung von Dr. Carola Winkelmann wurden am ersten Tag in den Räumen der Universität in Koblenz unter anderem die Themen Lebensräume Fliessgewässer, natürliche Steuer- und Regelprozesse in Fließgewässern, anthropogene Stressoren und Gewässerschutz aus wissenschaftlicher Sicht behandelt.

Der zweite Tag stand im Zeichen der Praxis. Während einer Exkursion an die Nister erläuterte Manfred Fetthauer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Nister unter dem Titel „Selbstreinigungskraft – eine verlorene Funktion unserer Gewässer“ die momentan problematische Situation an der Nister. Sei dem Auftreten des Kormorans am Gewässer sind vermehrt Algenblüten zu beobachten, die auch die Bestände seltener Arten (Atlantischer Lachs, Flussperlmuschel) bedrohen. Fetthauer prognostizierte, dass die Ziele der bis 2027 umzusetzenden Wasserrahmenrichtlinie unter den gegebenen Umständen wohl nicht erreicht werden – und das sei nicht nur an der Nister der Fall.
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Foto: Eva Maria Finsterbusch, Landesamt für Umwelt

Anschließend ging es dann zu einer kurzen Elektrobefischung und Artbestimmung an die Nister, danach an die Forschungstrecke des BIOEFFKT-Projektes. Hier konnte Manfred Fetthauer den erstaunten Teilnehmern zeigen, wie Fische die Algen abweiden. Anhand von Kleinstlebewesen zeigte Dr. Winkelmann, dass das Gewässer sich insgesamt in einem Schwebezustand zwischen Gut und Schlecht befindet, aber in der Strecke mit Fischen bessere Lebensbedingungen herrschen.

Fazit einer Teilnehmerin zum Schluss: „Ich bin froh das ich an diesem Seminar teilgenommen habe. 20 Jahre nach meinem Studium gibt es doch viele neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die dazu beitragen können, unserer Nachwelt bessere Gewässer zu hinterlassen.“

Aufgrund der regen Nachfrage ist eine Wiederholung des Seminars im April 2017 geplant.