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Herbst an der Nister bei Hirtscheid

Foto Rainer Lemmer

Ein ereignisreiches Jahr liegt nun hinter uns. Ein Jahr, das von einer extremen Trockenheit geprägt war. Wasserstände am Pegel Heimborn von 16-17 cm waren über Monate die Regel. Jeder wird sich fragen: „Wie ist die Nister und ihre Bewohner mit diesen Verhältnissen umgegangen?“

Bei doch einigen Elektrobefischungen, teils für unser Forschungsprojekt, aber auch um Naturvermehrung für Lachse zu suchen, und letztendlich für Renaturierungsprojekte an der oberen Nister, haben wir mit Erstaunen festgestellt, dass der trockene Sommer den Fischbeständen kaum geschadet hat.

Einen exzellenten Jungfischbestand von vielen Arten ohne Fremdbesatz haben wir an den meisten der befischten Stellen angetroffen, ein Zeichen dafür dass sich das Anlegen von Trittsteinen, wie es der Deutsche Rat zu Landespflege schon vor 30 Jahren fordert, aber auch die Wasserrahmenrichtlinie vorsieht, lohnt.

Trittsteine anlegen heißt einen Bereich (hier der Mittellauf bei Stein-Wingert) massiv zu schützen. Das Umweltbundesamt schreibt hierzu: die Fischfauna kann durch bestimmte menschliche Nutzungen wie zum Beispiel Besatz, Entnahme sowie an Land lebenden Räuber in erheblichem Maße beeinflusst sein. Diese Beeinflussung nennen wir Kormoran. Nach wie vor das größte Problem, siehe

Bild vom 2.11.2018

 Vielleicht ein Ratespiel : Wieviel Arten und wieviel Gewicht ?

Hier die Antwort : 33 Jungfische davon schon einige verdaut , 5 Arten , und 120 g Gewicht, ungefähr ein Viertel des täglichen Nahrungsbedarfes des Kormorans.

 

 

 

 

 

Arge Nister auf der MS “ Burgund“

Anfang Juni hatte das Landesamt für Umwelt Rheinland -Pfalz  drei Veranstalter des letztjährigen Bachpatentages als Dankeschön auf das Forschungsschiff des Landes RLP die“MS Burgund “ eingeladen. Da leider die Personenzahl auf dem Schiff begrenzt ist, waren wir mit fünf Arge-Mitgliedern dort. Begrüßt wurden wir von Eva Maria Finsterbusch vom Landesamt für Umweltschutz (LFU), Dr. Erwin Manz vom Umweltministerium RLP und Dr. Joachim Fischer vom LFU sowie der Besatzung der „Burgund “ und Bettina Gies, die für das Landesamt die Bachpatentage durchführte .

Nach einem sehr interessanten Vortrag zum Inventar des rheinland-pfälzischen Rheins ging es an den praktischen Teil. Mithilfe des Greifarms der MS Burgund wurden Sedimentproben vom Rheingrund gehoben und begutachtet. Ein Besuch im Labor des Forschungsschiffes war auf jeden Fall auch interessant, weil dort zumindest durch die Klimaanlage eine angenehme Temperatur herrschte. Zum Abschluss dann noch ein hochintressanter Vortrag von Dr.Fischer zum Klimawandel, der ja auch in den letzten Monaten mit aller Macht zugeschlagen hat. Es war ein wunderschöner und lehrreicher Tag.

Wir von der Arge beim Frühstück

 

Der Vorsitzende im Fachgespräch mit Dr. Manz

 

Auf der Suche nach dem Leben im Rhein

bei dem auch Essen und Trinken nicht zu kurz kam ,ging damit zu Ende ,und für den sich die Arge Nister ganz herzlich beim Landesamt bedankt.

Alle Fotos: Eva Maria Finsterbusch Landesamt für Umweltschutz

Im Labor der MS Burgund

 

„INTASAQUA 2019“

Am 9. und am 16.2.2018  hatte die Arge Nister in Helmeroth und in Astert zu Informtionsveranstaltungen zu dem neuen Projekt „Intasaqua“ eingeladen. Was Dr. Carola Winkelmann von der Universität Koblenz /Landau,  Linda Bödger und Roger Best von den jeweiligen Unteren Wasserbehörden, Kreisverwaltung Altenkirchen und Westerwaldkreis sowie den Vorsitzenden der Arge Nister überraschte, dass sich doch sehr viele Gemeindebürger auch mit ihrem Gewässer der Nister indentifizieren und anwesend waren.

Was aber bedeudet nun das Wort Intasaqua? Für fast alle großen Naturschutzverbände endet der Naturschutz an der Gewässeröberfläche. Der Gedanke, dass gerade die Fliessgewässer die Lebensadern im Naturhaushalt sind, ist zum größten Teil verloren gegangen – auch das Wissen um die Arten, die darin leben und leben müssen, weil durch sie die Selbstreingungskraft des Gewässers erhalten bleibt. Genau hier setzt das neue Projekt an. Integrativer Artenschutz, der auf den Gewässergrund und teilweise noch tiefer ins Kiesbett geht. Die Nister, die teilweise noch eine hohe Artenvielfalt an Verantwortungsarten des Bundesamtes für Naturschutzes hat, bietet sich auch hier für die Forschung an; was fehlt ist die Artenmenge.

Durch die Bachbegradigungen der 60 Jahre verlorengegangene Lebensräume wieder zu aktivieren, auch die Erkenntnisse aus dem laufenden BLE-Forschungs-Projekt mit einfließen zu lassen, sollen die Ziele sein. Man hat in Deutschland sehr viel Geld in die Renaturierung der Gewässer gesteckt, aber der Erfolg hält sich in Grenzen. Offene Fragen, wie geht man das Thema „Kormoran “ an, den es früher nie an den Mittelgebirgsbächen gegeben hat, der aber Fische wie  Nase und Barb , die Schlüsselfunktionen im Ökosystem Fließgewässer darstellen, fast komplett ausgerottet hat, müssen beanwortet werden. Wie schaffen wir es, die Sedimenteinträge zu reduzieren? Auch an der Phosphatlimitierung muss gearbeitet werden. Das vom Bundesamt für Naturschutz, dem Land Rheinland-Pfalz, den Landkreisen Altenkirchen und Westerwald sowie den anliegenden Verbandsgemeinden geförderte Projekt „Intasaqua“ soll und wird ein Vorzeigemodell sein .  Im Nistervertrag   haben sich das Land,  die Kommunen sowie  der Naturschutz freiwillig

unter unter anderem auch dazu verpflichtet, ihren Teil zur Rettung der Fluss- und Bachmuschel beizutragen. In den kommenden Jahren wird es darauf ankommen, ob und wann der Entwurf  „FFH Gebiet Nistertal /Kroppacher Schweiz “ umgesetzt wird, auch eine Grundlage fürs Gelingen.

Viele offene Fragen – was aber unglaublich Hoffnung macht, dass die Anlieger vor Ort mitgehen und ihre Erfahrungen von früher einbringen. Aus diesem Grund werden in den kommenden Wochen Begehungen vor Ort stattfinden und es wird weitere Infoveranstaltungen in den Nisteranliegergemeinden geben.

Forellenlarven 2018 sind geschlüpft

Die letzten Jungforellen aus dem Jahr 2017 haben im Dezember die Becken in Burbach für ein Leben in der Nister verlassen, bevor Anfang des Jahres die neuen Bachforelleneier aufgelegt wurden.

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Inzwischen sind die Forellenlarven im Burbacher Bruthaus bereits geschlüpft. Von Manfred Fetthauer jeden Tag gesichtet und in stundenlanger Kleinarbeit von den abgestorbenen Eiern befreit, leben die gerade mal 8 bis 10 Millimeter großen Bachforellen noch von ihren Dottersäcken.

In etwa zwei Wochen ziehen die winzigen Fischlein in die frisch geputzten Becken in der ehemaligen Kläranlage Burbachs um und werden von da an mit Fischfutter großgezogen.

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Im Frühjahr und Frühsommer 2018 werden einige von ihnen Wirte für Flussperlmuschellarven – so es denn 2018 Glochidien aus der Nister gibt. Wir drücken die Daumen!

PS: Die fotografierten und im Kunststoffbecher gefilmten Forellenlarven und Eier kehrten im Anschluss lebendig und wohlauf zu ihren Artgenossen zurück.

Nasen und Nachwuchs

Nasen sind für die Reinhaltung der Nister sehr wichtig. Mit ihrem unterständigen, verhornten Maul schaben die Großfische Algen vom Untergrund des Fließgewässers ab. Gut zu sehen sind die Fraßspuren auf einem Laptop, das ARGE-Nister-Mitglied Kim Wortelkamp auf dem Flussgrund fand und fotografierte.

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Foto: Kim Wortelkamp

Für den Kormoran sind die Wasserbewohner ein wichtiges Nahrungsmittel. Das führte in den vergangenen 18 Jahren dazu, dass es immer weniger Nasen in der Nister gab. Deshalb stehen die trächtigen Nasenweibchen in der Laichzeit unter besonderer Beobachtung der ARGE Nister und ihrer Mitglieder. Frank Steinmann sind wunderschöne Unterwasseraufnahmen gelungen. Sie zeigen laichbereite Nasen und deren Eier.

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Laichbereite Nasen (Fotos: Frank Steinmann)

_J1A2657 _J1A2686 _J1A2865 _J1A26892Fotos: Frank Steinmann

Daneben arbeiten die Naturschützer seit einigen Jahren daran, in der Anlage in Stein-Wingert eigenen Nachwuchs zu züchten. Da Nasen in Rauschen, stark bewegtem Wasser, ablaichen, verkleben die Eier stark. So haften sie sicher an Steinen, während sie vom sauerstoffreichen Wasser umspült werden. Zum ersten Mal gelang es in der Zucht, diese starken Verklebungen zu lösen, sodass nun Jungnasen in die Nister ausgesetzt werden konnten. Manfred Fetthauer, unter dessen Fittichen die kleinen Fische stehen, veröffentlicht erstmals Aufnahmen der gelungenen Nachzucht.

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Larven im Glas (F
oto: Manfred Fetthauer)

Nachklang zum Besuch der Naturschutzwarte

2016 waren die Naturschutzwarte des Westerwaldvereins zu Besuch bei der ARGE Nister. In einem ausführlichen Bericht lassen Hartmut König, Fachbereichsleiter für Natur- und Umweltschutz des Westerwaldvereins, und Manfred Fetthauer, 1. Vorsitzender der ARGE Nister, die schöne Veranstaltung noch einmal Revue passieren.

Westerwaldverein 2017

Nistervertrag in Feierstunde unterzeichnet

Viel wurde über die feierliche Unterzeichnung des Nisterprogramms berichtet. Die ARGE Nister freut sich sehr über die Unterstützung bei der Arbeit für den Erhalt der Flussperlmuschel. Eine mutmachende Neuigkeit gibt es in dem Zusammenhang bereits zu berichten: Unser Fachmann für Muscheln, Biologe Roman Hugo, fand Ende März 2017 an einer neuen Stelle eine lebende Flussperlmuschel. Dafür arbeiten wir.

https://sgdnord.rlp.de/de/service/pressemitteilungen/detail/news/detail/News/sgd-nord-vereinbarung-zum-nisterprogramm-unterzeichnet/

http://www.ak-kurier.de/akkurier/www/artikel/56194-nisterprogramm-wurde-in-einer-feierstunde-unterzeichnet

http://www.rhein-zeitung.de/region/lokales/westerwald_artikel,-ministerin-unterzeichnet-vertrag-nisterprogramm-soll-flussperlmuschel-retten-_arid,1626049.html

http://www.spd-mörlen.de/meldungen/aus-der-internetzeitung-ww-kurier-de-nisterprogramm-wurde-in-einer-feierstunde-unterzeichnet/

Nister zwischenzeitlich zugefroren

In den vergangenen eiskalten Tagen fror die Nister an manchen Stellen zu. Andernorts bildeten sich zauberhafte Eisskulpturen.

Die Bewohner des Fließgewässers stört die Kälte jedoch kaum, solange der Fluss nicht überall und nicht bis zum Grund zufriert. Fische suchen tiefere, ruhige Stellen auf, wo die Wassertemperatur konstant 4 Grad Celsius beträgt. Das liegt daran, dass Wasser bei dieser Temperatur die größte Dichte hat und auf den Flussgrund sinkt. Dazu reduzieren viele Fische ihre Aktivität und damit ihren Energieverbrauch im Winter.

Trauer um Lothar Jörgensen

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Liebe Mitglieder und Freunde der ARGE Nister,

wir trauern um

Lothar Jörgensen,
Fischereibiologe und Fischerei-Referent bei der SGD Nord in Koblenz,

der am am Freitag, 22. Juli, 15 Uhr, nach sehr kurzer, schwerer Krankheit verstorben ist.

Lothar Jörgensen war uns lange Jahre ein kompetenter, wichtiger Ansprechpartner und wurde in der Zeit der gemeinsamen Zusammenarbeit zu einem guten Freund. Unermüdlich setzte er sich für den Gewässerschutz an der Nister ein, war jederzeit für uns da und brachte viele wichtige Projekte auf den Weg.

Mit ihm verlieren wir einen wichtigen Berater, Unterstützer und sehr angenehmen Menschen.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.

In tiefer Trauer

Manfred Fetthauer
Erster Vorsitzender der ARGE Nister e.V.

Stein-Wingert im Juli 2016