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Ein Meilenstein im Nistervertrag umgesetzt

Nach gut einem Jahr wurden in den letzten Tagen die letzten Bauarbeiten an einem der größten Wanderhindernisse in der Nister durchgeführt. Das vor 50 Jahren erbaute Heberwehr Schneidmühle wurde, bedingt durch den Ausbau der B 414, als Ausgleichsmaßnahme abgerissen. Das damals erbaute Heberwehr war zu der Zeit, was Wasserbau anging, eine technische Revolution, aber eine Durchgängigkeit für Fische war kaum gegeben. Seine Aufgabe bestand darin, ein altes Wasserrecht mit einem ca. 2 km langen Mühlgraben zu bedienen, was nun vom Land zurückgekauft wurde. Was man leider in Kauf nehmen musste, war die Trockenlegung des Mühlgrabens, der auch einen hohe Artenvielfalt besaß.

Das größte Problem der Anlage war aber der Schwallbetrieb, der bei niedrigen Durchflussmengen auftrat und dafür sorgte, dass es in der Abfolge der restlichen Wasserkraftanlagen in der Nister zu Pegelschwankungen von bis zu 20 cm kam. Auf ca. 40 km Nister abwärts fielen dann über Stunden die Randbereiche der Nister trocken, was sich auf jeden Fall negativ auf die damals noch vorhandenen Muschelbestände ausgewirkt hat. Ein weiteres Problem war der zeitweise vorhandene Kormoran-Schlafplatz oberhalb des Stauwerkes. Für die Ornithologie mag die Anlage ein Highlight gewesen sein,  aber für die Fließgewässerökologie ein Trauma.

Der Landesbetrieb Mobilität als Unterhalter der Anlage beschloss dann vor Jahren den Rückbau der Anlage. In sehr enger Zusammenarbeit mit der Struktur- und Genehmigungsbehörde, der unteren Wasserbehörde, der Verbandsgemeinde Hachenburg, der ARGE Nister und dem Planungsbüro wurden die Pläne ausgearbeitet und ausgelegt.

Vor einem Jahr begann dann die Abrissarbeiten nach Vorgaben der Beteiligten, und schon jetzt lässt sich sagen, die Arbeit war nicht umsonst. Wenn oben auf der neuen Brücke noch gearbeitet wird, einem unten auf den Widerlagern Wasseramsel und Eisvogel bei der Ende September durchgeführten Kontrollbefischung zuschauen und die Befischung viel besser ausfällt als erwartet, muss man allen, vorab der bausausführenden Baufirma, einen Glückwunsch zu dem gelungenen Umbau aussprechen.

Ein weiterer Schritt der ARGE Nister wird es sein, in diesem Bereich wieder die Fischarten anzusiedeln, die vor dem Bau des Heberwehrs dort vorhanden waren und für die Ökologie der Nister von großer Bedeutung sind, wie Nase und Barbe.

 

Die ehemalige Fischtreppe

Das Wehr im Oberwasser

Unterwasser und Kiesschleuse

Nach den Umbauarbeiten in Fliessrichtung

Die neue renaturierte Strecke von unten ,die nächsten Hochwasser werden natürlich ihre Arbeit auch noch verrichten

Alle Fotos Thomas Meuer ,SGD Nord Montabaur

 

Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen besondere Bedeutung der Nasen für die Gewässerqualität der Nister

Seit 2015 wird in einem wissenschaftlichen Experiment in der Nister bei Stein-Wingert untersucht, ob Nasen die Gewässerqualität verbessern können. Vor kurzem haben wir erste Ergebnisse dieses Projektes veröffentlicht (Gerke et al., 2018). In den Versuchen haben wir Gehwegplatten (40 x 40 cm) für mehrere Wochen auf dem Gewässergrund ausgebracht. Einige Platten waren mit elektrischen Fischzäunen „abgesperrt“ und einige für Fische frei zugänglich. Am Versuchsende wurde die Algenbiomasse zwischen den Platten mit und ohne Fischzugang verglichen.

Platte mit deutlichen Fraßspuren. Durch das Abweiden des Biofilms können Nasen die Algenbiomasse verringern.

Wir hatten erwartet, dass die Nasen die Algen auf den frei zugänglichen Platten abweiden und die Algenbiomasse daher auf diesen Platten niedriger ist. Überraschenderweise war aber das Gegenteil der Fall. Gleichzeitig war die Biomasse wirbelloser Weidegänger (z.B. Eintagsfliegenlarven) auf den abgezäunten Platten höher. Wir nehmen daher an, dass die wirbellosen Weidegänger die Algenbiomasse auf den abgezäunten Kacheln reduziert haben, weil sie hier sicher vor den Kleinfischen (z.B. Groppe, Schmerle) waren. Anders als Nasen ernähren sich diese kleinen Fischarten bevorzugt von wirbellosen Kleintieren. Das Verscheuchen der Kleinfische hat also die wirbellosen Weidegänger gefördert und damit indirekt die Algen reduziert.

Kleinfische beeinflussen die Algenbiomasse indirekt

Dieses unerwartete Ergebnis zeigt, wie komplex Nahrungsnetzbeziehungen im Gewässer sind und welche Auswirkungen das Fehlen großer Fischarten in einem Gewässer haben kann. Erstens sind weniger algenfressende Fische (Nasen) zu finden und die Algenbiomassen steigen. Zweitens explodieren die Kleinfischbestände. Die reduzieren die wirbellosen Weidegänger und die Algenbiomassen steigen noch stärker.

In einem etwas größeren Versuch mit insgesamt 12 ca. 8 m2 großen Fischkäfigen haben wir im letzten Sommer den Einfluss von Nasen und Döbeln auf die Algenbiomasse und die Qualität des Kiesbettes untersucht. In diesem Versuch haben wir tatsächlich einen deutlichen Einfluss dieser Fische auf die Algenbiomasse und darüber hinaus auf die Sauerstoffgehalte im Kiesbett gefunden. Nach vier Wochen war in den 4 Käfigen mit Nasen die Algenbiomasse niedriger als in den fischfreien Kontrollkäfigen und in allen Fischkäfigen war der Sauerstoffgehalt im Kiesbett  – ein Indikator für die Habitatqualität – höher als in den Kontrollkäfigen. Im Moment  bereiten wir gemeinsam mit dem BFS die Veröffentlichung dieser Ergebnisse vor.

Mittlere Algenbiomasse und mittlerer Sauerstoffgehalt in 13 cm Substrattiefe in Käfigen mit Nasen, Döbeln und Kontrollkäfigen ohne Fischbesatz

In unserem großskaligen Biomanipulationsexperiment, das bis Ende Oktober 2018 läuft,  gehen wir noch einen Schritt weiter und möchten herausfinden, ob sich der Besatz mit Nasen und Döbel auch in der Realität positiv auf das gesamte Ökosystem auswirkt.

 

 

Forellenlarven 2018 sind geschlüpft

Die letzten Jungforellen aus dem Jahr 2017 haben im Dezember die Becken in Burbach für ein Leben in der Nister verlassen, bevor Anfang des Jahres die neuen Bachforelleneier aufgelegt wurden.

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Inzwischen sind die Forellenlarven im Burbacher Bruthaus bereits geschlüpft. Von Manfred Fetthauer jeden Tag gesichtet und in stundenlanger Kleinarbeit von den abgestorbenen Eiern befreit, leben die gerade mal 8 bis 10 Millimeter großen Bachforellen noch von ihren Dottersäcken.

In etwa zwei Wochen ziehen die winzigen Fischlein in die frisch geputzten Becken in der ehemaligen Kläranlage Burbachs um und werden von da an mit Fischfutter großgezogen.

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Im Frühjahr und Frühsommer 2018 werden einige von ihnen Wirte für Flussperlmuschellarven – so es denn 2018 Glochidien aus der Nister gibt. Wir drücken die Daumen!

PS: Die fotografierten und im Kunststoffbecher gefilmten Forellenlarven und Eier kehrten im Anschluss lebendig und wohlauf zu ihren Artgenossen zurück.

Nasen und Nachwuchs

Nasen sind für die Reinhaltung der Nister sehr wichtig. Mit ihrem unterständigen, verhornten Maul schaben die Großfische Algen vom Untergrund des Fließgewässers ab. Gut zu sehen sind die Fraßspuren auf einem Laptop, das ARGE-Nister-Mitglied Kim Wortelkamp auf dem Flussgrund fand und fotografierte.

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Foto: Kim Wortelkamp

Für den Kormoran sind die Wasserbewohner ein wichtiges Nahrungsmittel. Das führte in den vergangenen 18 Jahren dazu, dass es immer weniger Nasen in der Nister gab. Deshalb stehen die trächtigen Nasenweibchen in der Laichzeit unter besonderer Beobachtung der ARGE Nister und ihrer Mitglieder. Frank Steinmann sind wunderschöne Unterwasseraufnahmen gelungen. Sie zeigen laichbereite Nasen und deren Eier.

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Laichbereite Nasen (Fotos: Frank Steinmann)

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Daneben arbeiten die Naturschützer seit einigen Jahren daran, in der Anlage in Stein-Wingert eigenen Nachwuchs zu züchten. Da Nasen in Rauschen, stark bewegtem Wasser, ablaichen, verkleben die Eier stark. So haften sie sicher an Steinen, während sie vom sauerstoffreichen Wasser umspült werden. Zum ersten Mal gelang es in der Zucht, diese starken Verklebungen zu lösen, sodass nun Jungnasen in die Nister ausgesetzt werden konnten. Manfred Fetthauer, unter dessen Fittichen die kleinen Fische stehen, veröffentlicht erstmals Aufnahmen der gelungenen Nachzucht.

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Larven im Glas (F
oto: Manfred Fetthauer)

Zum dritten Mal motivierte Teilnehmende

31 motivierte und interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchen heute, am zweiten Tag des dritten Gewässerseminar der Uni Koblenz-Landau, Stein-Wingert. Zum Teil waren sie weit gefahren, um hier in die Grundlagen und Details der mittelgebirgischen Fließgewässerökologie eingeweiht zu werden. Den weitesten Anfahrtsweg hatte wahrscheinlich der Teilnehmer von der Naturschutzstation Wattenmeer in Norderney.

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Der milde April-Tag begrüßte seine Gäste schon morgens mit strahlendem Sonnenschein. Nach dem Einstiegstag im Labor der Koblenzer Hochschule unter der Leitung von Dr. Carola Winkelmann stand nun Gewässerpraxis an der frischen Luft auf dem Programm. Nach dem Besuch in der Anlage in der Stein-Wingerter Au, wo Manfred Fetthauer Naseneier präsentierte und die schwierige Aufzucht der Jungnasen skizzierte, ging es an die Steinerne Brücke.

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Bis Mittag lernte die Gruppe sieben der neun versprochenen Fischarten kennen, darunter die Ukelei, die Groppe und den Döbel. Lebensweise, bevorzugte Nahrung und die jeweilige Aufgabe  im Ökosystem wurden besprochen. Verpflegt wurden die Gewässerfachleute über den Tag aufs Köstlichste von Resi Fetthauer im Dorfgemeinschaftshaus in Stein-Wingert.

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Zu Gast war wieder einmal das SWR-Fernsehen. Wer heute (04.04.2017) liest, findet sicher einen kleinen Beitrag ab morgen Mittag in SWR RLP aktuell.

Nister zwischenzeitlich zugefroren

In den vergangenen eiskalten Tagen fror die Nister an manchen Stellen zu. Andernorts bildeten sich zauberhafte Eisskulpturen.

Die Bewohner des Fließgewässers stört die Kälte jedoch kaum, solange der Fluss nicht überall und nicht bis zum Grund zufriert. Fische suchen tiefere, ruhige Stellen auf, wo die Wassertemperatur konstant 4 Grad Celsius beträgt. Das liegt daran, dass Wasser bei dieser Temperatur die größte Dichte hat und auf den Flussgrund sinkt. Dazu reduzieren viele Fische ihre Aktivität und damit ihren Energieverbrauch im Winter.

Als Film: Fische unterm Eis

Nasen, Döbel und viele andere heimische Fischarten leben unter dem Eis der Nister. Wie das aussieht, lassen sich anhand der Aufnahmen aus dem Januar 2016 von Manfred Fetthauer gut beobachten.

Der erste Vorsitzende der ARGE Nister, einem Naturschutzverein im Westerwald, der sich für Artenvielfalt und den Schutz des Mittelgebirgsflusses einsetzt.

Die ARGE Nister ist ein Naturschutzverein, der daran mitarbeitet, Artenvielfalt und Qualität des Fließgewässers zu erhalten. Die Nister ist komplett verpachtet. Es gibt hier weder einen Angelverein noch Tageskarten.

Steinmann-Foto auf Fachzeitschrift

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Bei der Lachs-Kontrollbefischung der ARGE Nister im November 2014 gelangen Frank Steinmann außergewöhnliche Unterwasseraufnahmen von zurückgekehrten geschlechtsreifen Lachsen in der Nister. Nun zierte eines der “sensationellen Fotos eines Lachspaares” den Titel der Septemberausgabe der Fachzeitschrift “gewässer-info – Magazin zur Gewässerunterhaltung und Gewässerentwicklung”. Das Organ der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) schreibt dazu: “Der Nachweis von Rückkehrern ist vor allem ein Erfolg der jahrelangen Wiederansiedlungsbemühungen und eine Bestätigung der Arbeit der ehrenamtlichen und behördlichen Lachsfreunde in Rheinland-Pfalz.“

Forellenbericht 2015

Auf ein Neues: Auch in diesem Jahr erreichten uns mehr als Hunderttausend Bachforelleneier, aus denen kräftige kleine Fischlein schlüpfen sollten.

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Doch zunächst mussten erst einmal die Brutkästen inspiziert und vorbereitet werden, bevor die Eier auf die einzelnen Bretter verteilt werden konnten.

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Frisches, durch silikathaltiges Gestein auf den passenden pH-Wert gebrachtes Wasser umspült die Forelleneier in unserer Anlage den gesamten Tag. Das braucht der heimische Fischlaich, der in der Natur im Kiesbett inmitten von Rauschen von sauerstoffreichem Nass versorgt wird.

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Foto: Silikathaltiges Gestein passt den pH-Wert an.

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Auffällig viele Eier starben in den ersten drei Wochen bis zum großen Schlüpfen ab und wurden weiß. Verpilzungen hatten wir dagegen so gut wie keine. Doch die Larven, die schlüpften, waren klein und häufig auch schwach: Sie blieben in den Eierschalen stecken und verstarben.

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Am 21. Februar setzen wir die ersten Fische nach Aufzehren des Dottersacks in die Anlage in Burbach um. Hier fühlten sie sich wohl, wuchsen aber bis heute sehr langsam. Vermutlich waren die lange andauernden kalten Temperaturen dafür verantwortlich. Daneben hatten wir die Futtermarke gewechselt. Ob das so einen großen Einfluss auf die Größe der Forellen haben kann, werden wir im kommenden Jahr wissen, wenn wir wieder auf das bewährte, aber deutlich teurere Futter zurückgreifen.

Inzwischen sind einige Forellen bereits ausgesetzt – fit und aktiv, aber etwa 40 Prozent kleiner als 2014 zum Zeitpunkt des Besatzes. Immerhin sind ca. 97 Prozent der als kleine Fische in die Bottiche gesetzten Forellen zu größeren Fischen herangewachsen. Trotz der langanhaltenden Wasserknappheit konnten wir den fünfmaligen Wasserwechsel am Tag in den Becken gut durchhalten.

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Ein schöner Moment ist nach wie vor der, wenn sich die kleinen Forellen bärenstark und selbstverständlich in die Strömung der NIster stellen, sofort auf Futterfang gehen und sogar nach Mücken springen. Das tun sie auch 2015 – im Prinzip ist es also wieder ein erfolgreiches Forellenjahr.