Alle Artikel in: Lösungsansätze

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Zweites Gewässerseminar erfolgreich, drittes geplant

Auch das zweiten Seminar „Gewässerökologie für Naturschutzpraktiker“, dass vom Zentrum für Fernstudien und Universitäre Weiterbildung der Uni Koblenz Landau, der Deutschen Gesellschaft für Limnologie und der Arge Nister angeboten wurde, war mit 29 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wasserwirtschaft und Naturschutz wieder ausgebucht. Unter der Leitung von Dr. Carola Winkelmann wurden am ersten Tag in den Räumen der Universität in Koblenz unter anderem die Themen Lebensräume Fliessgewässer, natürliche Steuer- und Regelprozesse in Fließgewässern, anthropogene Stressoren und Gewässerschutz aus wissenschaftlicher Sicht behandelt.

Der zweite Tag stand im Zeichen der Praxis. Während einer Exkursion an die Nister erläuterte Manfred Fetthauer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Nister unter dem Titel „Selbstreinigungskraft – eine verlorene Funktion unserer Gewässer“ die momentan problematische Situation an der Nister. Sei dem Auftreten des Kormorans am Gewässer sind vermehrt Algenblüten zu beobachten, die auch die Bestände seltener Arten (Atlantischer Lachs, Flussperlmuschel) bedrohen. Fetthauer prognostizierte, dass die Ziele der bis 2027 umzusetzenden Wasserrahmenrichtlinie unter den gegebenen Umständen wohl nicht erreicht werden – und das sei nicht nur an der Nister der Fall.
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Foto: Eva Maria Finsterbusch, Landesamt für Umwelt

Anschließend ging es dann zu einer kurzen Elektrobefischung und Artbestimmung an die Nister, danach an die Forschungstrecke des BIOEFFKT-Projektes. Hier konnte Manfred Fetthauer den erstaunten Teilnehmern zeigen, wie Fische die Algen abweiden. Anhand von Kleinstlebewesen zeigte Dr. Winkelmann, dass das Gewässer sich insgesamt in einem Schwebezustand zwischen Gut und Schlecht befindet, aber in der Strecke mit Fischen bessere Lebensbedingungen herrschen.

Fazit einer Teilnehmerin zum Schluss: „Ich bin froh das ich an diesem Seminar teilgenommen habe. 20 Jahre nach meinem Studium gibt es doch viele neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die dazu beitragen können, unserer Nachwelt bessere Gewässer zu hinterlassen.“

Aufgrund der regen Nachfrage ist eine Wiederholung des Seminars im April 2017 geplant.

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BLE-Projekt ist angelaufen

Die ersten Maßnahmen zum Projekt des Bundesamts für Landwirtschaft und Ernährung sind angelaufen. Das dreijährige Projekt an der Nister unter dem Titel „Biomanipulation als effektives Verfahren zur Wiederherstellung der Habitatfunktion des hyporheischen Interstitials“ wird federführend von der Universität Koblenz in Zusammenarbeit mit der Arge Nister und dem Büro für Fischökologische Studien (BFS) Frankfurt und Marburg betreut.

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Ein ausgezeichnetes Muscheljahr geht zu Ende

Die Jahresabschlussüberprüfung der Lochplatten und unserer liebevoll großgezogenen und schließlich mit Glochidien infizierten Forellen bestätigte: 2014 war für die ARGE Nister ein ausgezeichnetes Flussperlmuscheljahr. Die Jungmuscheln in den Lochplatten waren gut gediehen und gewachsen, und die Kiemen unserer Bachforellen saßen voller gesunder Muschellarven.
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Viel Arbeit war dafür nötig: Im Dezember 2013 und Januar 2014 sortierten wir in stundenlanger Kleinarbeit Forelleneier, um den gesunden das Überleben zu sichern. Von den etwa 120.000 jungen Forellen, die wir erfolgreich großgezogen hatten, wurden knappe 1000 für die Glochidien ausgewählt. Die anderen bevölkern nun die Nister an den unterschiedlichsten Abschnitten.
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Der erste Impfversuch brachte noch nicht das erhoffte Ergebnis: Offensichtlich waren die Muschellarven, die unsere trächtigen Flussperlmuscheln abgegeben hatten noch nicht ausgereift. In den folgenden Wochen wurden die Muscheldamen in eigenen, besprudelten Behältern in der Stein-Wingerter Anlage gehalten und von Jutta Hannappel und Roman Hugo täglich mit frischem Nisterwasser versorgt. Daran sind die Muscheln gewöhnt und es enthält ausreichend Nährstoffe. Die schonende Behandlung machte sich bezahlt: Die beiden Muschelschützer ernteten etwa eine Million hochinfektiöser Glochidien, die schließlich mit den Forellen in Burbach zusammengebracht wurden. Die beprobte Quote war phantastisch: 900 bis 1000 Larven hatten sich an den Kiemen ihrer Wirte festgesetzt.
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Dass die Überwinterung bisher gut funktioniert, zeigte eine erneute Probe: Die Glochidien sind etwas gewachsen und besetzen die Kiemen der nach wie vor gesunden und quicklebendigen Bachforellen in großer Anzahl.
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Das lässt auf eine großartige Ernte im Frühjahr hoffen. Bereits bei den jetzigen kühlen Wassertemperaturen durchlaufen die Larven die ersten Stadien ihrer Metamorphose. Steigt die Temperatur auf 17° C und höher, beschleunigt sich dieser Prozess. Ist die Verwandlung abgeschlossen, lassen sich die fertigen und winzigen Flussperlmuscheln ins Kiesbett fallen. Unsere Larven allerdings werden in spezielle Labore gebracht, wo die Jungmuscheln aufgefangen und auf verschiedene Standorte in Rheinland-Pfalz, Belgien und Nordrhein-Westfalen verteilt werden. So soll die Rückkehr der Flussperlmuscheln in verschiedene Fließgewässer garantiert werden und deren Überlebenschancen gesteigert werden.

Schon die Kleinsten an das Thema Nister heranzuführen …

… hat der Autor dieses wunderbaren Bilderbuchs im Sinn.
Pini und Kunibert

Dr. Albert-Ulrich Lerner, langjähriges ARGE-Nister-Mitglied und Edelkrebsexperte, schrieb das wunderschöne Bilderbuch „Pini und Kunibert – Kinder vom kleinen Bach“ für seinen Enkel Tristan. Bei der Taufe des kleinen Jungen überreichte er das fertige Exemplar. Die Illustrationen wurden von Lerners Bruder Titus  gestaltet, einem bekannten Westerwälder Künstler. Engagiert im Artenschutz  – zum Beispiel bei Initiierung und Pflege des Edelkrebswiederansiedlungsprojekts – und Naturschutz im Westerwald, möchte der Dr. Lerner mit seinem Buch schon die Kleinsten für die Natur begeistern.

Er selbst sagt dazu: „Den Kindern den Weg zur Natur zeigen ist ein Anliegen  meines Kinderbuches. Mein Bruder  Titus  konnte den Text mit natürlichen Bildern  einrahmen. Erstmalig habe ich  es gewagt mit einem Edelkrebs einen neuen Hauptdarsteller in der Kinderbuchwelt zu präsentieren. Es gilt  durch spannende Erlebnisse der kleinen  Bachbewohner direkt vor unserer Haustür  das Interesse  der Kinder  an der Natur  zu wecken. Der  kleine Bach ist überall in unserem Land  direkt vor unserer Haustür. Vielleicht auch für Kindergarten und Schule ein Beitrag zur Umweltpädagogik. Wenn Kinder den Weg zur Natur finden müssen wir um die Erde keine Sorge haben.“ Das  Buch kann für 12 Euro direkt beim CMZ Verlag  bestellt werden.

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Bericht der Westerwälder Zeitung vom 13.12.2013

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Kalmuspflanzung in Versuchsphase

Ständig auf der Suche nach Maßnahmen, um die Wasserqualität der Nister zu verbessern, pflanzt Manfred Fetthauer, erster Vorsitzender der ARGE, seit ein, zwei Jahren regelmäßig Kalmus in den Uferbereich der Nister. Damit hofft er, die schilfartige Pflanze in die fließende Nister zurückzuholen, die seiner Ansicht nach neben anderem einen natürlichen Kläreffekt hat.

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Um erfolgreich zu pflanzen, wird der Kiesuntergrund im sonnigen Uferbereich bis in etwa 15 Zentimeter Tiefe an einer Stelle angehäuft. Die Wurzel wird in die Vertiefung gesetzt und sorgfältig mit Kies bedeckt, sodass die Pflanze Halt hat. Schließlich werden die Blätter in etwa 25 Zentimeter Höhe abgeknipst, um den Wasserwiderstand gering zu halten und der Pflanze Zeit zu geben, sich mit ihren Wurzeln anzusiedeln.

 

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Die verwendeten Pflanzen stammen aus einem Altarm der Nister. Denn Kalmus ist kein Neubesiedler: Noch vor wenigen Jahrzehnten säumten große Kalmusflächen die Ränder der großen und kleinen Nister. Vermutlich hauptsächlich durch Umwelteinflüsse und den Bisam, dem die Schilfart besonders gut schmeckt, finden sich heute nur noch einzelne Pflanzen direkt am Fließgewässer.

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In den freigelegten Altarmen und sonnigen langsam fließenden Gewässerabschnitte dagegen bieten Kalmusflächen kleinen Fischen und vielen anderen Wasserlebewesen sichere Rückzugsorte. Zudem lockert das Rhizom (Wurzelstock) der Pflanze den Kiesuntergrund bis in 15 Zentimeter Tiefe und hat vermutlich einen starken Filtereffekt. Das alles spricht nach Fetthauers Ansicht dafür, dass eine Neupflanzung des Kalmus wichtig und sinnvoll ist. Deshalb würde der engagierte Gewässerschützer gerne ein Projekt ins Leben rufen, bei dem Kalmus in großer Zahl entlang der Nister gepflanzt wird. Damit lassen sich seiner Ansicht nach recht schnell messbare Verbesserungen für die Nister erzielen. Und die sind notwendig, denn der kleine Fluss im Westerwald steht kurz vor dem Kollaps.

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Natürlich kennt Manfred Fetthauer auch die Stimmen, die gegen das Projekt sprechen. So stammt Kalmus aus Asien und wurde im 16. Jahrhundert nach Mitteleuropa gebracht. Da alle Pflanzen, die nach 1492 in Europa eingeführt wurden, als Neophyten gelten, ist auch der Kalmus ein pflanzlicher Neubürger. Zudem vermehrt er sich über kleinste Rhizomschnipsel, was die Grundlage für eine Plage wie die von Drüsigem Springkraut und Herkulesstaude sein könnte – wenn Kalmus hier keine Fressfeinde wie den Bisam hätte, nicht so empfindlich auf Umwelteinflüsse reagieren würde und nicht für den Menschen von so großem Nutzen wäre.

Öl aus Kalmuswurzel wird unter anderem in der Herstellung von Magenbitter und Cola verwendet. Kandiert kann Kalmuswurzel, im September und Oktober geerntet, als “Deutscher Ingwer” ebenso wie die asiatische Variante verzehrt werden. In der asiatischen Medizin ist Kalmus eine traditionelle Heilpflanze.

Mit seinen ersten Versuchen erhofft sich Manfred Fetthauer Erkenntnisse, ob seine Überlegungen und Schlussfolgerungen richtig sein könnten. Zeigt sich hier ein Erfolg, wird sich Fetthauer mit Unterstützung einiger Wissenschaftler dafür einsetzen, die Pflanzungen in einem Förderprojekt auszuweiten.

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Tätigkeiten

Die ARGE Nister betreibt die praktische und ideelle Förderung des Programms LACHS 2020. An der Nister wird mit Erfolg der ehemals heimische Atlantische Lachs wiedereingebürgert.

Das Projekt ist Teil des im europäischen Rahmen durchgeführten Projekts LACHS 2020 (vorher LACHS 2000). Die Nister ist das erste rheinland-pfälzische Gewässer, in dem wieder eine natürliche Vermehrung des Lachses nachgewiesen werden konnte.

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Foto:  Susi  und Manfred Fetthauer (1. Vorsitzender der ARGE Nister) mit einem Nisterlachs

Die ARGE Nister betreibt die Vermittlung zwischen Gruppen mit unterschiedlichen Nutzungsinteressen (Landwirte, Angler, Kanuten, Wanderer, Grundbesitzer etc.)

Die ARGE Nister betreibt die Bepflanzung von Uferbereichen mit heimischen Pflanzen und die Sicherung der Ufer mit Ufergehölzen. Zur Einrichtung von Uferschutzstreifen zur Vermeidung von Viehtritt und zur Schaffung einer Pufferzone zu den landwirtschaftlich genutzten Flächen werden die örtlichen Landwirte kontaktiert, um gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Zum Schutze der Anpflanzungen wird der Bisambestand reguliert und das Massenaufkommen nichtheimischer Pflanzen (Neophyten) bekämpft.

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Foto: Renaturierung der Wied im oberen Wiedtal

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Foto: Krebshabitat in der Nister

Die ARGE Nister betreibt Habitatverbesserungen wie das Anlegen von Biotopen, die Anbindung von Altarmen und Gräben sowie das Einbringen von Strukturelementen (Störsteine) zur Erhöhung der Strömungsdiversität und des Deckungsangebotes für Fische.

Die ARGE Nister betreibt Koordinierung und Optimierung von Besatzmaßnahmen zum Aufbau eines naturnahen Fischbestandes. Hierzu zählt auch der Betrieb zweier in Eigeniniative errichteter Bruthäuser für die Erbrütung von heimischen Forelleneiern und Lachseiern. Die Errichtung wurde mit Landesmitteln gefördert. Die Unterstützung einer nachhaltigen Entwicklung der Fischartengemeinschaft beinhaltet auch eine vorsichtige und wissenschaftlich begründete Besatzpolitik, in der ausschließlich heimische Fischarten gefördert werden.

Weiterhin beteiligt sich die ARGE Nister an Bestandserfassungen mittels Elektrofischerei, die im Rahmen des Lachsprogramms und des Kormoranmonitorings durchgeführt werden.

Die ARGE Nister betreibt Gewässerüberwachung zur Abwendung von Schadensereignissen jeder Art. Hierfür wurde ein Meldesystem eingerichtet, mit dem Einleitungen rasch erfasst werden und die zuständigen Stellen informiert werden können.

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Foto: Treibgutabweiser in der Nister

Aber auch die Einhaltung bestehender Vorschriften für die Wasserkraftwerksbetreiber, wie die erlaubten bautechnischen Gegebenheiten und die zu gewährleistenden Restwassermengen, gehören zu diesem Aufgabenbereich.