Alle Artikel mit dem Schlagwort: featured

Die Nase – Fisch des Jahres 2020

Naturschutz, Artenschutz, Gewässer, Fisch

Die Nase ist Fisch des Jahres 2020

  • Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Deutschen Angelfischverband und dem Verband Deutscher Sporttaucher
  • Regional stark gefährdete Art mit wichtigen Funktionen im Ökosystem
  • Flüsse müssen passierbar werden, damit Nasen wandern können

Die Nase (Chondrostoma nasus) Foto: Manfred Fetthauer

Bonn/Berlin, 11. November 2019: Die Nase (Chondrostoma nasus) ist Fisch des Jahres 2020. Mit der Wahl dieser in Deutschland regional stark gefährdeten und lokal bereits verschwundenen Fischart machen der Deutsche Angelfischerverband (DAFV), das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) auf eine bedrohte Fischart aufmerksam, die für Flüsse mit kiesigem bis felsigem Untergrund in der sogenannten Äschen- und Barbenregion typisch ist.

Die Nase war noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Fisch, der in schnell fließenden Gewässern sehr häufig vorkam, und auch „Brotfisch“ der Berufsfischer an der Donau genannt wurde. Heute sind Schwärme von hundert Fischen bereits eine Seltenheit. Weil die Laichhabitate entweder nicht mehr funktionsfähig sind oder aufgrund von Querbauwerken nicht mehr erreicht werden können, kann in geeigneten Gewässern der Besatz mit gezüchteten Jungtieren sinnvoll sein. Auch auf Verschmutzungen der Gewässer durch Schadstoffe sowie übermäßige Feinsedimenteinträge reagieren Nasen empfindlich.

„Um den Schutz der Nase zu verbessern, müssen Wanderhindernisse in den Flüssen abgebaut oder passierbar gemacht werden und naturnahe Ufer, Kies- und Schotterbänke wiederhergestellt werden. Dies fordert auch die Europäische Wasserrahmenrichtlinie für unsere Flüsse. Nur wenn die ganze Vielfalt von Strukturen und Lebensräumen vorhanden und erreichbar ist, können sich die Fischbestände – nicht nur die der Nase – langfristig wieder erholen. Die Nase steht daher stellvertretend für die gesamte Fischartengemeinschaft“, erläutert Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz.

„Die typischen Fischarten wie Nasen und Barben sind sogenannte Weidegänger. Sie weiden die Algen am Gewässergrund ab und lagern den Gewässergrund um. Nasen und Barben leisten damit einen hohen Beitrag zur Selbstreinigungskraft der Gewässer. Wenn die typischen Fischarten in den Flüssen ihre ökologische Aufgabe nicht mehr erfüllen, verschlechtern sich die Wasserwerte und das Ökosystem droht zu kippen. Mit dem Rückgang der Nasen haben sich an einigen Flüssen die Wasserwerte dramatisch verschlechtert“, so Dr. Christel Happach-Kasan, Präsidentin des Deutschen Angelfischerverbandes.

Zahlreiche Studien belegen, dass die Verbauung von Gewässern die wichtigste Ursache für den Rückgang der Nasenpopulationen ist. Die Schwärme erreichen keine geeigneten Laichplätze, sodass sie sich nicht mehr fortpflanzen und die Populationen überaltern. Angesichts der regional starken Bedrohung ist es dringend erforderlich, die Forderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie weiter zügig in Maßnahmen umzusetzen und die Gewässer wieder durchgängig zu machen und natürlicher zu gestalten.

Dass dies Erfolg haben kann und Nasenpopulationen sich erholen, zeigen die wenigen Beispiele, in denen ein Rückbau von Wehren stattgefunden und sich dadurch die Bestände wieder deutlich erholt haben. Die Nase kann daher als ein guter Indikator für den Erfolg von Renaturierungsmaßnahmen angesehen werden.

Hintergrund
Die Nase kommt in Mitteleuropa nördlich der Alpen bis nach Osteuropa vor. Sie ist eine zu den karpfenartigen Fischen (Cyprinidae) gehörende Art, die in der Barben- und Äschenregion großer Ströme wie der Donau oder dem Rhein vorkommt. Sie wird bis zu 50 cm groß, kann Gewichte bis 2000 g erreichen, bleibt aber im Normalfall deutlich kleiner. Namensgebend ist die wulstige Oberlippe, mit denen die Nasen Algen vom Bodensubstrat abweiden und bodenlebende Kleintiere wie Insektenlarven oder Krebstierchen aufnehmen. Das Schuppenkleid ist silbrig, am Rücken etwas dunkler und bäuchlings heller gefärbt. Typisch ist das Aufblitzen des silbrigen Schuppenkleids bei der Nahrungsaufnahme, wenn sich die Nase seitlich wegdreht, um die Algen abzuziehen. Nasen leben natürlicherweise in Schwärmen von mehreren hundert Exemplaren.

Nasen laichen im Frühjahr von März bis Mai und unternehmen dabei Wanderungen von mehreren hundert Kilometern in den Fließgewässern. Laichplätze sind flach überströmte Bereiche in kleineren Seitenbächen. Hier werden 20.000 bis 100.000 ca. 1,5 mm große Eier/Weibchen in vorher geschlagene Laichgruben abgelegt. Die Larven leben zunächst im Kieslückensystem und ziehen dann als Planktonfresser an ruhigere Gewässerstellen. Das Schlagen der Laichgruben in den flachen Gewässern ist oftmals als deutliches, lautes Plätschern zu hören, vor allem dort, wo noch hunderte Nasen gleichzeitig laichen.

 

Weitere Informationen erhalten Sie:

Deutscher Angelfischerverband e.V.
www.dafv.de
Bundesamt für Naturschutz
www.bfn.de
Hauptgeschäftsstelle Berlin Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Reinhardtstraße 14, 10117 Berlin Konstantinstr. 110, 53179 Bonn
Tel.: 030/97104379, Fax: 030/97104389 Tel.: 0228/8491-4444, Fax: 0228/8491-1039
E-Mail: info@dafv.de E-Mail: info@bfn.de; presse@bfn.de

 

 

 

Ein Meilenstein im Nistervertrag umgesetzt

Nach gut einem Jahr wurden in den letzten Tagen die letzten Bauarbeiten an einem der größten Wanderhindernisse in der Nister durchgeführt. Das vor 50 Jahren erbaute Heberwehr Schneidmühle wurde, bedingt durch den Ausbau der B 414, als Ausgleichsmaßnahme abgerissen. Das damals erbaute Heberwehr war zu der Zeit, was Wasserbau anging, eine technische Revolution, aber eine Durchgängigkeit für Fische war kaum gegeben. Seine Aufgabe bestand darin, ein altes Wasserrecht mit einem ca. 2 km langen Mühlgraben zu bedienen, was nun vom Land zurückgekauft wurde. Was man leider in Kauf nehmen musste, war die Trockenlegung des Mühlgrabens, der auch einen hohe Artenvielfalt besaß.

Das größte Problem der Anlage war aber der Schwallbetrieb, der bei niedrigen Durchflussmengen auftrat und dafür sorgte, dass es in der Abfolge der restlichen Wasserkraftanlagen in der Nister zu Pegelschwankungen von bis zu 20 cm kam. Auf ca. 40 km Nister abwärts fielen dann über Stunden die Randbereiche der Nister trocken, was sich auf jeden Fall negativ auf die damals noch vorhandenen Muschelbestände ausgewirkt hat. Ein weiteres Problem war der zeitweise vorhandene Kormoran-Schlafplatz oberhalb des Stauwerkes. Für die Ornithologie mag die Anlage ein Highlight gewesen sein,  aber für die Fließgewässerökologie ein Trauma.

Der Landesbetrieb Mobilität als Unterhalter der Anlage beschloss dann vor Jahren den Rückbau der Anlage. In sehr enger Zusammenarbeit mit der Struktur- und Genehmigungsbehörde, der unteren Wasserbehörde, der Verbandsgemeinde Hachenburg, der ARGE Nister und dem Planungsbüro wurden die Pläne ausgearbeitet und ausgelegt.

Vor einem Jahr begann dann die Abrissarbeiten nach Vorgaben der Beteiligten, und schon jetzt lässt sich sagen, die Arbeit war nicht umsonst. Wenn oben auf der neuen Brücke noch gearbeitet wird, einem unten auf den Widerlagern Wasseramsel und Eisvogel bei der Ende September durchgeführten Kontrollbefischung zuschauen und die Befischung viel besser ausfällt als erwartet, muss man allen, vorab der bausausführenden Baufirma, einen Glückwunsch zu dem gelungenen Umbau aussprechen.

Ein weiterer Schritt der ARGE Nister wird es sein, in diesem Bereich wieder die Fischarten anzusiedeln, die vor dem Bau des Heberwehrs dort vorhanden waren und für die Ökologie der Nister von großer Bedeutung sind, wie Nase und Barbe.

 

Die ehemalige Fischtreppe

Das Wehr im Oberwasser

Unterwasser und Kiesschleuse

Nach den Umbauarbeiten in Fliessrichtung

Die neue renaturierte Strecke von unten ,die nächsten Hochwasser werden natürlich ihre Arbeit auch noch verrichten

Alle Fotos Thomas Meuer ,SGD Nord Montabaur