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Arge Nister und Muscheln

Die ARGE Nister/Obere Wied e.V. freut sich das kürzlich genehmigte Projekt „Bachmuschelschutz und Zucht Rheinland-Pfalz 2025 – 2026“ der Universitäten Koblenz und Kassel tatkräftig unterstützen zu können.
Weltweit zählen Süßwassermuscheln zu den am stärksten gefährdeten Arten. Aufgrund ihrer Fähigkeit, große Mengen partikulären Materials aus dem Wasser zu filtern und die Gewässersedimente aufzulockern, sind gesunde Muschelbestände in Flüssen jedoch von großer Bedeutung für den Schutz aquatischer Biodiversität. Daher ist die Bachmuschel (Unio crassus) genauso wie einige andere Süßwassermuscheln der Unio-Gattung streng geschützt (BNatschG, FFH-Richtlinie, Rote Liste). In Rheinland-Pfalz wird die Bachmuschel als vom Aussterben bedroht eingestuft.
Für eine nachhaltige Förderung bestehender Restpopulationen der Nister-Bachmuscheln ist nach derzeitigem Kenntnisstand eine längerfristige ergänzender Nachzucht erforderlich. Daher etablieren die Wissenschaftler der Universitäten im Rahmen des Projektes mit unserer Hilfe eine wissenschaftlich basierte Erhaltungszucht an unserer Muschelzuchtstation in Stein-Wingert. Durch vergleichende Untersuchungen verschiedener Aufzuchtmethoden sowie unterschiedlicher Futtermittel wird diese im Verlauf des Projektes weiter optimiert.

Basierend auf Untersuchungen des Potentials verschiedener Gewässerabschnitte für die Wiederansiedlung von Bachmuscheln durch die Wissenschaftler werden Besatzstellen für die nachgezüchteten Jungmuscheln ausgewählt. Nach ca. 1,5 Jahren Aufzucht in unserer Station bringen wir die Jungmuscheln gemeinsam an den ausgewählten Besatzstellen aus.

Außerdem führen die Wissenschaftler eine Bestandserfassung der aktuell in der Nister bekannten Bachmuschelpopulationen durch. Um Prognosen für den Erfolg von Naturvermehrung dieser Populationen ableiten zu können werden die Projektpartner von uns tatkräftig bei der Erfassung der Wirtsfischbestände im Umkreis der Muschelbestände unterstützt.

Nister bei Helmeroth, 2022

Die Nister: auch auf dem DNT sichtbar!

Im Rahmen des 37. Deutschen Naturschutztages 2024 in Saarbrücken stellt die AG Fließgewässerökologie der Universität Koblenz Forschungsergebnisse von der Nister vor.

Unter der Rubrik „Call for Participation Deutscher Naturschutztag: Wissenschaft und Praxis; Postersessions zum Thema WASSER UND NATURSCHUTZ“ werden gleich drei Poster mit Bezug zur Nister aus den mittlerweile abgeschlossenen Projekten BIOEFFEKT I & II und INTASAQUA vorgestellt.

Nicht nur im Gewässer sind aquatische Insekten für Fische eine wichtige Nahrungsquelle, auch ihre geflügelten Fortpflanzungsstadien (aquatische Emergenz) sind eine wichtige Nahrung für landlebende Insektenfresser. Die Nutzung der aquatischen Emergenz durch uferbewohnende Spinnen hängt von Verhalten von Emergenz und Spinnen sowie der Beschaffenheit und länge der Ufer ab.
Zusammenfassung wichtiger Ergebnisse der Projekte Bioeffekt I & II zur Bedeutung von Nase und Döbel für die Selbstreinigungskraft und den Einfluss des Kormorans auf den Fischbestand der Nister.

 

 

Zusammenfassung wichtiger Ergebnisse aus dem Projekt INTASAQUA, Teilprojekt 1, zur Wirtsfischauswahl für eine nachhaltige Ergänzungszucht der Nister-Bachmuscheln.

 

 

Zusammenfassung wichtiger Ergebnisse aus dem Projekt INTASAQUA, Teilprojekt 3, zur Nutzung der aquatischen Emergenz (geflügelte Stadien von Insekten, deren Larven sich im Gewässer entwickeln) als Nahrung durch uferbewohnende Spinnen.

Postersessions

Donnerstag, 26.09.2024 • 17:15 – 18:45 Uhr

 

 

Klare Sicht durch fleißige Muscheln

Ob abgelöste Algen oder eingetragene Feinsedimente aus dem Umland, Muscheln filtern die kleinen Partikel aus der Wassersäule und tragen so zur Selbstreinigung unserer Gewässer bei. Wie das genau aussieht zeigt und erklärt dieser gemeinsam von der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt und der TU Dresden im Rahmen des Projektes „MARA – Margaritifera Restoration Alliance“ produzierte Filmclip

GFG zu Gast an der Nister

 

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Am Donnerstag, 19.10.2017 war die Vortragsreihe ‚Gewässernachbarschaft‘ der Gemeinnützigen Fortbildungsgesellschaft für Wasserwirtschaft und Landschaftsentwicklung (GFG)mbH aus Mainz in der Verbandsgemeinde Hachenburg zu Gast. Drei Referenten beschäftigten sich mit den Themen Wiederansiedlung der Bach- und Flußperlmuschel im Einzugsgebiet der Nister, Viehtränken und Erfolgskontrollen zu Strukturverbesserungen.

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Am Nachmittag trafen sich die ca. 45 Teilnehmer in der Anlage in Stein-Wingert, wo Dr. Carola Winkelmann von der Universität Koblenz-Landau über Lebensraum und ARGE-Nister-Projekte rund um Bachmuscheln und Flussperlmuscheln referierte und dem interessierten Publikum einige Exemplare der inzwischen seltenen Gewässerbewohner zeigen konnte.

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Informationen und Bilder: Fred Duscha, Neophytex

BfN-Projekt eingeweiht

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Mit vielen illustren Gästen wurde auf dem „Hahnhof“ in Weidenacker bei Wissen das Projekt „Integrativer Artenschutz aquatischer Verantwortungsarten an der Nister“ (Intasaqua) vorgestellt. Auf Initiative der ARGE Nister, Betreiben der Universität Koblenz-Landau, allen voran Dr, Carola Winkelmann, und im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz  werden sich in Zukunft verschiedene Wissenschaftler offiziell und mit insgesamt 1,2 Mio. Euro für den Schutz der Nister einsetzen.

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Fotos: Thorsten Ladda / Formwerk5

Ausführliche Information geben die Artikel der Siegener Zeitung und des AK-Kuriers.

 

Nistervertrag in Feierstunde unterzeichnet

Viel wurde über die feierliche Unterzeichnung des Nisterprogramms berichtet. Die ARGE Nister freut sich sehr über die Unterstützung bei der Arbeit für den Erhalt der Flussperlmuschel. Eine mutmachende Neuigkeit gibt es in dem Zusammenhang bereits zu berichten: Unser Fachmann für Muscheln, Biologe Roman Hugo, fand Ende März 2017 an einer neuen Stelle eine lebende Flussperlmuschel. Dafür arbeiten wir.

https://sgdnord.rlp.de/de/service/pressemitteilungen/detail/news/detail/News/sgd-nord-vereinbarung-zum-nisterprogramm-unterzeichnet/

http://www.ak-kurier.de/akkurier/www/artikel/56194-nisterprogramm-wurde-in-einer-feierstunde-unterzeichnet

http://www.rhein-zeitung.de/region/lokales/westerwald_artikel,-ministerin-unterzeichnet-vertrag-nisterprogramm-soll-flussperlmuschel-retten-_arid,1626049.html

http://www.spd-mörlen.de/meldungen/aus-der-internetzeitung-ww-kurier-de-nisterprogramm-wurde-in-einer-feierstunde-unterzeichnet/

Ein ausgezeichnetes Muscheljahr geht zu Ende

Die Jahresabschlussüberprüfung der Lochplatten und unserer liebevoll großgezogenen und schließlich mit Glochidien infizierten Forellen bestätigte: 2014 war für die ARGE Nister ein ausgezeichnetes Flussperlmuscheljahr. Die Jungmuscheln in den Lochplatten waren gut gediehen und gewachsen, und die Kiemen unserer Bachforellen saßen voller gesunder Muschellarven.
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Viel Arbeit war dafür nötig: Im Dezember 2013 und Januar 2014 sortierten wir in stundenlanger Kleinarbeit Forelleneier, um den gesunden das Überleben zu sichern. Von den etwa 120.000 jungen Forellen, die wir erfolgreich großgezogen hatten, wurden knappe 1000 für die Glochidien ausgewählt. Die anderen bevölkern nun die Nister an den unterschiedlichsten Abschnitten.
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Der erste Impfversuch brachte noch nicht das erhoffte Ergebnis: Offensichtlich waren die Muschellarven, die unsere trächtigen Flussperlmuscheln abgegeben hatten noch nicht ausgereift. In den folgenden Wochen wurden die Muscheldamen in eigenen, besprudelten Behältern in der Stein-Wingerter Anlage gehalten und von Jutta Hannappel und Roman Hugo täglich mit frischem Nisterwasser versorgt. Daran sind die Muscheln gewöhnt und es enthält ausreichend Nährstoffe. Die schonende Behandlung machte sich bezahlt: Die beiden Muschelschützer ernteten etwa eine Million hochinfektiöser Glochidien, die schließlich mit den Forellen in Burbach zusammengebracht wurden. Die beprobte Quote war phantastisch: 900 bis 1000 Larven hatten sich an den Kiemen ihrer Wirte festgesetzt.
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Dass die Überwinterung bisher gut funktioniert, zeigte eine erneute Probe: Die Glochidien sind etwas gewachsen und besetzen die Kiemen der nach wie vor gesunden und quicklebendigen Bachforellen in großer Anzahl.
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Das lässt auf eine großartige Ernte im Frühjahr hoffen. Bereits bei den jetzigen kühlen Wassertemperaturen durchlaufen die Larven die ersten Stadien ihrer Metamorphose. Steigt die Temperatur auf 17° C und höher, beschleunigt sich dieser Prozess. Ist die Verwandlung abgeschlossen, lassen sich die fertigen und winzigen Flussperlmuscheln ins Kiesbett fallen. Unsere Larven allerdings werden in spezielle Labore gebracht, wo die Jungmuscheln aufgefangen und auf verschiedene Standorte in Rheinland-Pfalz, Belgien und Nordrhein-Westfalen verteilt werden. So soll die Rückkehr der Flussperlmuscheln in verschiedene Fließgewässer garantiert werden und deren Überlebenschancen gesteigert werden.

Besuch von Gabi Weber

Als Gabi Weber, Mitglied des Bundestags, auf ihrer Wahlkampftour die Anlage der ARGE Nister in Stein-Wingert besuchte, zeigte sie sich interessiert an den Einzelheiten der Glochidiengewinnung. Sie stellte einige Fragen und sah selbst durchs Binokular.
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Manfred Fetthauer unterfütterte bei seinem Vortrag die Muschelaktion mit Informationen rund um das Ökosystem der Nister. Von den Auswirkungen, die der Kormoran offensichtlich auf dessen Gleichgewicht hat, war die engagierte Westerwälder Politikerin erstaunt und erschreckt: „Für mich war der Kormoran bisher einfach ein Vogel. Dass er so große Wirkung hat, war mir nicht klar.“, so Weber.
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