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Drei Lachsrückkehrer gesichtet

Insgesamt drei paarungswillige Lachse – zwei Männchen und Weibchen – gingen den Engagierten der Arge Nister bei zwei halbtägigen Kontrollbefischungen ins Netz. Sie hatten den Weg aus dem Meer durch die Fließgewässer in Deutschland unbeschadet und erfolgreich überstanden. Für die Naturschützer waren die Fänge erfreuliche Momente einer ansonsten eher erschreckenden Fahrt.

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Denn auf weiten Strecken war die Nister nahezu leer. Kilometerweit höchstens mal ein oder zwei Fische, oft kein einziger: Mehr reagierten nicht auf den leichten Strom, mit dem Wasserbewohner wie Nasen, Döbel, Forellen und Lachse bei den Kontrollbefischungen kurzzeitig betäubt werden. Selbst ein Laie bemerkte schnell, dass es die unbewohnten Streckenabschnitte waren, an denen kein Fisch auftauchte. Der Unterschied zu den Abschnitten durch Dörfer oder an Häusern vorbei war zu deutlich. Dort reagierten häufig fast schon Schwärme von Fischen. Zudem waren viele Gruppen dort an etwas entfernten Stellen gut im Wasser zu sehen.

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Unter den kontrollierten Fischen waren entweder größere (über 45 Zentimeter) oder kleine (bis 20 Zentimeter). Der “Mittelstand fehlte” – auch das ein Hinweis auf den Kormoran, der ganz offensichtlich Fische einer gewissen Größe bevorzugt.

Die Lachse mit ihren nahezu 70 Zentimetern Körperlänge fielen aus diesem Raster heraus. Sie laichen hoffentlich in den kommenden Tagen in der Nister ab, sodass es – wenn alles gut geht – bald wilden Nachwuchs im Westerwald gibt.

Westerwälder Zeitung zieht zum Tag des Fisches Resümee

Zum Tag des Fisches brachte die Westerwälder Zeitung einen sehr guten Artikel unter dem Titel “Längst nicht alle Fische können aufamten” zum Zustand der Gewässer im Westerwaldkreis. Dafür interviewte Redakteur Markus Kratzer den Arge-Nister-Vorsitzenden Manfred Fetthauer. Herausgekommen ist ein unserer Ansicht nach sehr interessanter und gut verständlicher Text, der die wichtigsten Dinge auf den Punkt bringt. Ein kleiner Fehler hat sich eingeschlichen: Der Kilometer Renaturierung Fließgewässer in Bayern kostete 180.000 Euro (nicht, wie fälschlich angegeben, 580.000 Euro).

Nasen – Weidetiere des Fließgewässers

Wo Nasen sind, ist das Gewässer sauber, titelte die Westerwälder Zeitung im Juni 2012. Diese Beobachtung von Manfred Fetthauer wird derzeit wissenschaftlich belegt.

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Foto: Eine deutliche Spur von Nasenfraß auf einem veralgten Stein

Dort wo Nasen in der Nister stehen, sind die Kiesbänke sauber abgefressen. Kein Algenbewuchs ist dort auf den Steinen zu sehen. Das bedeutet, dass die Algen hier nicht blühen können, der Sauerstoffgehalt in für die Lebewesen im Fluss optimalen Bereichen bleibt, ebenso wie der pH-Wert.

Nicht zuletzt deshalb wird der Nasenbestand gerade im Rahmen des BLE-Projekts wissenschaftlich untersucht. Durch Biomanipulation – in diesem Fall von Menschen gesteuerten Fischbesatz – soll der Nasenbestand aufgestockt werden. Denn bisher geht der Nasenbestand besonders in den ungestörten, von Menschen unbewohnten Abschnitten der Nister gegen Null.

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Foto: Nasen schaben mit ihren unterständigen Maul die Algen sauber vom Untergrund

Die ARGE macht dafür die Rückkehr des Kormorans hauptverantwortlich, stößt mit dieser These aber nach wie vor bei den großen Naturschutzverbänden BUND und Nabu auf Widerstand. Dort machten Vogelschützer und -liebhaber den Kormoran 2010 zum Vogel des Jahres.

Forellen 2014 wachsen und gedeihen

Täglich ein bisschen größer werden die kleinen Forellen in der Anlage in Burbach. Vor wenigen Monaten aus rosa Eiern geschlüpft, bekommen die Jungfische inzwischen bereits „Babynahrung 2“, etwas grobkörnigeres Pulver zur Fischernährung. Wie die Großen stellen sie sich in die stetige Strömung, die die Becken durchfließt. Nur wenige der kleinen Fische sind bisher gestorben, was ein gutes Zeichen ist.

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Manfred Fetthauer füttert die Tiere täglich und sieht nach dem Rechten. Zusammen mit Maja Wagener säubert er am Wochenende die Abflüsse und Becken, salzt nach Bedarf und sorgt so dafür, dass die Fische die besten Voraussetzungen für ein  langes und gesundes Leben haben.

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Auf viele Kleinigkeiten müssen die Fischzüchter achten: dass die Strömung rechts herum fließt und nicht zu stark und nicht zu schwach ist. Dass der Sauerstoffgehalt im Wasser immer ausreichend hoch ist. Dass genügend, aber auch nicht zu viel Wasser im Becken ist. Dass die Temperatur stimmt. Dass die Fische das richtige Futter in genau der richtigen Menge bekommen. All diese Faktoren werden immer wieder an die Forellen angepasst. Denn mit jeder Woche, in der die Fische größer werden, verändern sich die Bedürfnisse. Keine ganz leichte Aufgabe, aber eine, die großen Spaß macht!

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Natriumchlorid, also ganz normales Kochsalz, wird dem Wasser etwa ein bis zwei Mal im Monat zugegeben. Es wird in einem Eimer Wasser aufgelöst (hier von einer jungen Helferin) und mit der Strömung langsam ins Becken gegeben. Das Salz macht die Fische widerstandsfähiger und sorgt dafür, dass sie gesund bleiben

Forellen 2014 bevölkern Nister


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Zufrieden beobachteten Manfred Fetthauer und Maja Wagener, wie sich die kleinen Bachforellen in die Strömung der Nister stellten.
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Eimerweise hatten sie die Jungfische an dem sonnigen Apriltag an verschiedenen Stellen und Rauschen in den kleinen Westerwälder Fluss eingesetzt. Nach all den Monaten der Hege und Pflege war das ein besonderer Moment. Denn nur, wenn sich die Bachforellen sofort im Bachbett verteilen, sich hinter Steinen verbergen und in die Strömung stellen, haben sie gute Voraussetzungen für das Leben in Freiheit. Die etwa drei Zentimeter großen Jungfische passten sich sofort an.

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Etwa 2000 Fische verteilten die beiden an diesem Tag. Weitere Bachforellen wurden von den Pächtern weiterer Nisterabschnitte abgeholt und ausgesetzt. Auch in Fließgewässern in Westerburg und Weyerbusch leben nun Burbacher Forellen. In den kommenden Wochen werden bis auf etwa 1000 Forellen alle in die Nister und ihre Nebengewässer eingesetzt. Die restlichen Bachforellen dienen als Wirte für die Glochidien der Flusspermuscheln, die auch in diesem Jahr wieder gewonnen werden.

Zauberhafte Bilderbücher

Zwei zauberhaft bebilderte Bücher mit Bezug zur Nister schrieb Uta Ecker aus Leichlingen. Die Autorin wurde 1952 in Teltow/Berlin geboren, studierte Biologie in Bonn und Heidelberg. Uta Ecker hat lange Zeit als Ökobiologin gearbeitet. Mit der ARGE Nister verbindet sie eine gute Freundschaft.

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Fridolin der Wanderfisch schildert den Lebenslauf einer Meerforelle, die als Wanderfisch große Strecken zurücklegt. Beginnend als Jungfisch im Süßwasser  folgt sie den Flußläufen – wie zum Beispiel der Nister – ins Meer, um nach mehreren Jahren als ausgereifter Fisch zum Ablaichen in diejenigen Flüsse zurück zu finden, aus denen sie stammt.

Die Ereignisse im Lebenslauf sind biologisch korrekt wiedergegeben, jedoch kindgerecht dargestellt. Die Illustrationen sind Aquarelle, die von der Autorin angefertigt wurden.
Dieses Buchwird vom Rheinischen Fischereiverband 1880 e.V. empfohlen. Es richtet sich vor allem an die Verbandsjugend, aber auch an alle naturkundlich interessierten Kinder, und natürlich an all jene, die Tiergeschichten lieben.

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Kinder im Alter von 6 bis 8 Jahren können das Buch schon selbst lesen. Es kann für 11,80 Euro im Buchhandel bestellt werden (ISBN-10: 3-8334-9518-9)

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Der Brave Wilderich erzählt aus dem Leben einer Groppe. Dieser kleine Fisch lebt normalerweise räuberisch am Grund von Bächen und Flüssen.
Wilderich ist ein sehr abenteuerlustiger Groppen-Mann, der so tut, als wäre er ganz brav, was aber natürlich nicht stimmt. So erlebt er einige Überraschungen und muss viele gefährliche Situationen meistern. Er trifft andere Tiere, beobachtet, wie die Menschen seinen Fluss verändern und übersteht heftige Unwetter. Wilderich treibt aber auch selber Unfug, ist tollkühn und ärgert seine Umgebung, die sich das nicht gefallen lässt.

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Dieses Buch richtet sich an alle naturkundlich interessierten Kinder im Grundschulalter, und natürlich an all jene, die Tiergeschichten lieben. Auch hier sind die Illustrationen Aquarell-Bilder, die von der Autorin angefertigt wurden. Das Buch ist für 7,90 Euro im Buchhandel erhältlich (ISBN-10: 3-7322-0793-5).

Lachseinsatz vom ZDF gefilmt

Besondere Gäste begleiteten die ARGE Nister beim jüngsten Lachsbesatz: Während 50.000 etwa fünf Zentimeter lange Einsömmeringe ihre neue Heimat in der Nister fanden, filmte Kameramann Martin Wampl die Aktion fürs ZDF. Den Beitrag von Redakteur Peter Böhmer (unten im weißen T-Shirt) strahlte das ZDF am 01.08.2013 in „heute in Deutschland“ aus.
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Jährlich werden im Rahmen des Schutzprogrammes Lachs 2020 eine bestimmte, von der Regierung finanzierte Anzahl von Junglachsen in die Nister eingesetzt. Der ursprünglich heimische Fisch wandert nach einem Jahr in den Atlantik ab, um ein oder zwei Jahre später flussaufwärts zu wandern und dort abzulaichen, wo er aufgewachsen ist.
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Es gibt immer wieder Heimkehrer, doch dank der an vielen Stellen noch schlecht durchgängigen Flüsse und holländischer Fischer, die die Lachse tonnenweise abfangen, wenn sie aus dem Meer zurückkehren, sind es längst nicht so viele, wie es sein könnten.

Die so genannten Nullplus kommen von einer Zuchtanlage an der Halsper Talsperre im Sauerland. In großen Behältern transportierte Dieter Firzlaff vom Verein Der Atlantische Lachs e.V., der auch im Fernsehbeitrag zu sehen ist,  die kleinen Lachse aus dem Sauerland nach Stein-Wingert und von dort aus an die jeweiligen Rauschen zwischen Alhausen und Marienstatt.
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Dort wurden die Jungfische aus Eimern sanft in die Strömung der Nister entlassen. Einen Teil der Jungfische übernahm Björn Eisel aus Seck, um ihn in der kleinen Nister zu verteilen.
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Nach dem Ende der Dreharbeiten ging die weitere Aktion ganz schnell. Routiniert und eingespielt arbeiteten die Mitarbeiter und jungen Helfer Hand in Hand, bevor sie schließlich am Zeltplatz in Heuzert eintrafen. Hier erwartete sie eine Überraschung: Samuel Leonhard aus Müschenbach, Küchenleiter des Brauhauses in Marienstatt, hatte für alle eine leckere Hackfleischsuppe vorbereitet.
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Zwei Tage Kontrollbefischung

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Viele Aktive halfen an zwei Tagen kräftig mit, um gemeinsam mit Dr. Jörg Schneider und Dr. Dirk Hübner vom BFS, dem ARGE-Nister-Vorsitzenden Manfred Fetthauer, Florian Krau sowie Dr. Carola Winkelmann und Daniela Mewes von der Uni Koblenz-Landau an zwei Stellen auf insgesamt gut einem Kilometer der Nister den Fischbestand zu prüfen: Biologen und weitere Doktoranden, Angler, Kinder und allerhand andere Freiwillige.
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Mit Elektroangeln in der Hand und einem schweren Akku-Rucksack auf dem Rücken machten sich die Fischenden auf den Weg durchs Wasser. Ihnen folgten die Beifischer mit großen Fangnetzen, die Leute mit den Fangbehältern und Messinstrumenten sowie die Protokollanden.
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Am ersten Tag wurden bis in den Abend hinein die Kleinfische unter 15 Zentimetern gezählt und protokolliert. Am darauffolgenden Tag widmeten sich die Biologen den größeren Fischen wie Nasen, Haseln und Forellen. Mit Gleichstrom wurden die Tiere kurz betäubt und in Netzen gefangen.
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Dank Messstab im Bottich und Messbrett wurde die genaue Größe festgestellt. Auch die unterschiedlichen Arten wurden bestimmt und aufgenommen.
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Dr. Jörg Schneider markierte die gefangenen Fische anschließend mit einem für die Tiere harmlosen und ungiftigen blauen Kontrollpunkt.
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Um möglichst viele Fische kennzeichnen zu können, konzentrierten sich die Biologen unter anderem auf die schwer zugänglichen Uferbereiche.

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Zwischendrin gab es eine Pause mit Westerwälder Fleischwurst, denn Essen hält auch bei Biologen und Gewässerschützern Leib und Seele zusammen.
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Jeder Streckenabschnitt wurde zwei Mal befischt, um dank der Zahl der Wiederfänge im Verhältnis zu unmarkierten Fischen auf die Gesamtpopulation schließen zu können. Der Rückweg in Watstiefeln vom End- zum erneuten Ausgangspunkt führte durch blühende Wiesen.
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Die Zählung der großen Fische war längst nicht so aufwändig wie die der kleinen am Tag zuvor.
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Deshalb konnten die Projektbeteiligten am späten Nachmittag ihre Sachen packen – fertig, aber glücklich nach der erfolgreichen Arbeit.
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